Eine Publikation des Dr. Harnisch Verlags

    • de
  • Anzeigen

  • Anzeigen
  • fng MAGAZIN – Food · Nonfood · Getränke · Tobacco

    Das fng MAGAZIN ist der unabhängige Markenmonitor für den Lebensmittelhandel. Es versteht sich als das Forum qualitätsorientierter und unverwechselbarer Markenhersteller.

    Weitere Infos zum Magazin

    Diese Fachzeitschrift wird als E-Paper mit interaktiven Inhalten angeboten.

    Zur aktuellen Ausgabe
    Aus der aktuellen fng-Ausgabe:

    Der neue Preiskampf unter den Discountern und seine Folgen

    Bei den Discountern Aldi und Lidl hatte die Belegschaft in letzter Zeit außer den üblichen Tätigkeiten wie auffüllen leergekaufter Regale oder kassieren viel zu tun.

    Anzeigen

    Überall mussten die Preisschilder aktualisiert werden. Denn seit die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten für Unternehmen und Konsumenten die Mehrwertsteuer gesenkt hat, tobt zwischen den beiden Handelsketten ein Preiskampf, der groteske Züge annimmt. „Teuer kannste dir spar´n“ warb zum Beispiel Aldi Süd in Zeitungen und im Internet mit einem prall gefüllten Einkaufswagen und Bezahlzetteln von Lidl, Rewe und Edeka. Daneben stand der Aldi-Preis: „8,80 Euro günstiger“.

    Lidl konterte prompt. „Der Erfinder von bester Qualität und günstig ist der wahre Sieger“, lautete die Replik in einer Anzeige, die ebenfalls einen vollen Einkaufskorb zeigte und preislich Aldi unterbot. Natürlich ist jeder Einkaufskorb unterschiedlich befüllt und die Preise sind für den Konsumenten überhaupt nicht zu überblicken. Im Übrigen geht es um geringe Cent-Beträge. Da wird die Tafel Schokolade statt 1,09 Euro für 1,07 Euro angeboten, das Pfund Kaffee für 3,43 statt vorher 3,49 oder der Liter Bio-Milch für 1,05 statt zuvor 1,09 Euro.

    Deutschlands größter Einzelhändler Edeka hat mittlerweile in einem offenen Brief an die Verbraucher dazwischengefunkt. „Im Vergleich scheint immer derjenige besser abzuschneiden, der den jeweiligen Warenkorb zusammengestellt und die entsprechende Werbeanzeige geschaltet hat“, heißt es da. Dabei müsse der Preis für ein Produkt nicht das alleinige Kriterium sein. Vielmehr gelte es, auf Mehrwerte wie Regionalität, Tierwohl, Frische, Qualität und Genuss zu achten. Und dann wird Edeka noch deutlicher: „Den Weg zum Discounter können Sie sich sparen“, und verweist auf das eigene hauseigene üppige und preiswerte Sortiment. „Wir können nicht nur günstig. Wir können mehr! Keiner bietet so viele Alternativen wie wir“, lautet die finale Botschaft.

    Essen und Trinken müssen wir alle, auch in weniger schönen Zeiten, gilt eine unumstößliche Weisheit. Also ist der Handel mit Lebensmitteln doch von jeder Krise verschont, sollte man meinen. Diese These stimmt eben nur bedingt. Denn nach der Analyse von Marktexperten haben die Discounter seit Beginn der Corona-Krise Marktanteile an die klassischen Handelsketten wie etwa Rewe oder Edeka verloren. Vor allem in der Phase des Lockdowns sind die Menschen seltener einkaufen gegangen und haben eher Supermärkte mit deutlich stärkerem Angebot aufgesucht. Darauf haben die Discounter offenbar ziemlich nervös reagiert und nun die Mehrwertsteuersenkung als Kaufanreiz in den Fokus gestellt. Aldi hat sogar angekündigt, sich die gegenwärtigen Preissenkungen einen dreistelligen Millionenbetrag kosten zu lassen und auf die Marge zu verzichten.

    Die Rabattschlacht im Lebensmittelhandel hat ja eine starke mediale Beachtung erzielt, dem Verbraucher indessen bringt sie wenig und verwirrt eher. Bei den Verbraucherzentralen steigen die Anfragen von Menschen mit schwachem Einkommen, was ihnen denn die Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel letztendlich bringt. Denn die Läden prallvoll mit Rabattschildern suggerieren den Eindruck, dass die Konsumenten beim Griff in die Regale viel Geld sparen können. Doch das stimmt eben nicht. Beim Blick auf den Beleg am Ende ist schnell erkennbar, dass es sich dabei nur um kleine Cent-Beträge handelt.

    Der neu entflammte Konflikt unter den Discounter macht einmal mehr deutlich, wie hart die Akteure um ihre Vormachtstellung ringen. Und es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass in diesem ziemlich unsinnigen Kampf schon die letzte Runde eingeläutet ist. Aus Sicht von Handelsexperten könnte sich der Konflikt unter den Discountern auf den gesamten Lebensmittelhandel auswirken, und sie bezeichnen die Mehrwertsteuersenkung in diesem Wirtschaftsfeld als Fehler. Die alte Geiz ist geil Mentalität werde wieder angeheizt und alle Anstrengungen, mehr Wertschätzung für Lebensmittel zu erreichen, werde ad absurdum geführt. Der Kunde spürt im Portemonnaie eigentlich keine wirklich spürbare Entlastung, und der Lebensmittelhandel – dies haben ja die Monate der Corona-Krise mehr als deutlich gemacht – hat eine Stimulierung gar nicht nötig.

    Nutzen Sie die Vorzüge eines Abonnements:
    Abonnieren Sie unsere Fachzeitschriften und Magazine bequem online und wir senden Ihnen bereits die nächste Ausgabe druckfrisch zu.

    Leseexemplar anfordern

    Unsere Magazin-App:

    Copyright 2020 by Dr. Harnisch Verlag