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    Aus der fng4:

    Pro & Contra -Fleischprodukte oder Pflanzenkost

    In der Steinzeit vor hunderttausenden von Jahren waren die Menschen Jäger und Sammler. Die Männer erlegten auf ihren Streifzügen das Fleisch für ihre Familienverbände, die Frauen sammelten in der Natur Früchte, Nüsse, Samen, Wildgemüse, Eier und Honig. Das führte zu einer ausgewogenen Ernährung, die wesentlicher Grund für das Wachstum der Menschheit war.

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    Fleisch oder pflanzliche Produkte – dieses Pro & Contra ist heute eine hitzig geführte Diskussion in unserer Gesellschaft. Die vielen schrecklichen Bilder über die Aufzucht von Geflügel, Schweinen und Rindern, die Misshandlung von Tieren in den Betrieben und der Anbau von Futterpflanzen in gigantischen Monokulturen verderben immer mehr Konsumenten den Appetit auf Fleisch und lassen sie auf vegetarische oder vegane Ernährung umsteigen. Aber woher kommen deren favorisierten Produkte? Welcher Veganer, welcher Vegetarier weiß schon genau, auf welche Weise die Feige, die Avocado, die Weintraube, die Erdbeere, die Kartoffel oder der Kohl gezogen werden? Sicherlich nicht in kleinen, hübschen Idyllen, wie uns die Werbung so häufig vorgaukelt.

    Also lohnt es sich doch, das Für und Wider tierischer und pflanzlicher Kost mal unter die Lupe zu nehmen – um zu vermeiden, dass der Veganer einen verächtlichen Blick auf den Verbraucher wirft, der im Supermarkt zu einem Rinderbraten greift, oder der Steakesser im Restaurant verständnislos den Kopf schüttelt, wenn am Nebentisch jemand eine vegane Salatplatte bestellt.

    Eine vernünftige Diskussionskultur ist gefragt, denn Ernährung ist ein wichtiges Thema der Zukunft und betrifft die ganze Menschheit: Im Fokus stehen die Bereiche Ökonomie, Ökologie, Ethik und Gesundheit.

    In landwirtschaftlichen Industriebetrieben werden Tiere nicht artgerecht gehalten. Sie leben oft gedrängt auf engstem Raum und erhalten fragwürdiges Futter. Sie werden über lange Strecken transportiert und nicht selten unter üblen Misshandlungen zur Schlachtung getrieben. Für diese Produktion von Fleisch werden Unmengen von Getreide – wie Soja zum Beispiel – benötigt, das in Monokulturen angebaut wird und andere Ökosysteme zerstört, kaum Lebensgrundlagen für andere Organismen bietet und die Bodenfruchtbarkeit reduziert. Durch die intensive Tierhaltung entstehen große Mengen von Ausscheidungen auf engem Raum, was die Ökosysteme zusätzlich belastet.

    Fleisch aus industrieller Tierhaltung wie auch Geflügel enthält oft  Antibiotika- und andere Medikamentenrückstände, die negative Folgen für die Gesundheit der Konsumenten haben können. Dieses in Massen hergestellte Fleisch ist im Supermarkt in der Regel ziemlich billig , wodurch beim Konsumenten die Wertschätzung für Lebensmittel sinkt, ebenso für die Ökologie. Hauptsache der Preis stimmt.

    Andererseits weist Fleisch eine hohe Mikronährstoffdichte auf. So erlangt der Verbraucher durch geringe Mengen eines einfachen Lebensmittels einen großen Gehalt lebenswichtiger Vitamine und Mineralstoffe. Dies ist allein mit pflanzlichen Mitteln sehr viel aufwändiger und weniger effizient. Zudem ist nach wie vor umstritten, ob sich das lebensnotwendige Vitamin B12 überhaupt ohne tierische Quellen gewinnen lässt.

    Fruchtbare Agrarfläche durch sorgfältige

    Weidehaltung

    Durch vernünftige Tierhaltung allerdings, wie die Weidehaltung von Rindern, können vermeintlich unfruchtbare Böden wieder zur Produktion von wichtigen Pflanzen genutzt werden. Bei sorgfältigem Weidemanagement kann durch die Rinderhaltung Kohlenstoff gebunden und so die CO2 Problematik reduziert werden. Durch extensive Weidehaltung lässt sich also das Land heilen, denn durch den nun wieder ursprünglichen Stoffkreislauf kann Mutterboden aufgebaut werden, so dass die Agrarfläche fruchtbarer wird.

    Irreführend ist übrigens die Behauptung, selbst durch artgerechte  Fleischproduktion werde zu viel Wasser verbraucht. 93 Prozent des Wassers, das Tiere benötigen, stammt aus Regenfällen. Und die Gülle, die aus ihrer Ernährung zurückbleibt, ist wertvoller, nährstoffreicher Dünger, der einen Pflanzenanbau erst möglich macht – auch für Vegetarier und Veganer. Denn ohne Tierhaltung lässt sich eine gut funktionierende pflanzliche Landwirtschaft kaum praktizieren.

    Der berühmte russische Literat Leo Tolstoi soll einmal gesagt haben „wenn ihr Fleisch essen wollt, müsst ihr auch zum Mörder werden“. Das ist natürlich eine ziemlich derbe Aussage. Denken wir nur an unsere Steinzeitmenschen. Sie jagten Tiere in der Wildnis und sicherten damit die Existenz ihrer Familien. Doch die Worte des Schriftstellers geben schon zu denken bei den gegenwärtigen Exzessen in der Massentierhaltung. Nicht ohne Grund verschmähen immer mehr Konsumenten tierische Produkte und werden Vegetarier. Aber dürfen sie denn, wie sie glauben, nun ein besseres Gewissen haben? Nicht unbedingt. Vegetarier verzichten nicht auf Fisch, Milch und Eier. Fisch jedoch stammt nicht nur aus kontrolliertem Fang, Milch nicht nur von Kühen, die das ganze Jahr auf der Weide stehen, und Eier kommen häufig aus Betrieben, in denen männliche Küken – weil nicht gebraucht – aussortiert und getötet werden.

    Rund acht Millionen Vegetarier

    und 900.000 Veganer

    Wer völlig auf Produkte aus tierischen Quellen verzichten möchte, wird Veganer. Das ist – wie manche erzählen – kein leichter Schritt. Denn vegane Ernährung ist letztendlich Mangelernährung. Der Mensch ist – wie unsere Beispiele aus der Steinzeit schon zeigten – ein Allesesser, der tierisches Eiweiß zwingend benötigt. Veganer müssen vor allem das Vitamin B12 künstlich ersetzen, weil es nur in tierischen Produkten ausreichend vorkommt. Es wird für die Blutbildung, Zellteilung und Versorgung der Nervenzellen benötigt. Ferner drohen bei ausschließlicher veganer Ernährung unter anderem Zink-, Eisen- und Jodmangel. Mit einigen Tricks und Tabletten lässt sich natürlich vieles ausgleichen, was aber der Behauptung widerspricht, speziell der Veganismus sei besonders gesund. Eine Veganerin erklärte mal, sie gleiche den Mangel an Vitamin B12 durch eine spezielle Zahnpasta aus. Außerdem mache sie sicherheitshalber ab und an bei ihrem Arzt einen Bluttest in Sachen Nährstoffhaushalt. So gesund hört sich das nicht an.

    Heute gibt es allein in Deutschland rund acht Millionen Vegetarier und etwa 900.000 Veganer. Ihre Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als verdoppelt. Zwar machen die Vegetarier unter der Gesamtbevölkerung nur etwa vier Prozent aus und die Veganer gerade mal zwei Prozent. Doch es werden immer mehr.

    Das ist ein guter Grund, Schluss zu machen mit den heftigen Debatten unter Fleischfreunden und Anhängern pflanzlicher Produkte, was nun die beste Ernährung ist. Wir sollten uns da lieber an den weisen Satz vom Preußenkönig Friedrich der Große halten, Jeder soll nach seiner Fasson selig werden, was der Monarch damals natürlich auf die Religionsfreiheit bezog.

    Gute Gründe gibt es, Vegetarier oder Veganer zu werden. Viele, die vor diesem Schritt stehen, können sich zunächst gar nicht vorstellen, auf das wohlschmeckende Fleisch zu verzichten. Wer also Vegetarier oder gar Veganer werden will, muss innere Stärke zeigen. Wer weiterhin auf Fleisch setzt, sollte auf ausgewiesene Qualität achten. Lieber weniger Fleisch essen, stattdessen zu besseren und teureren Produkte greifen. Letztlich läuft doch – bei gelassener Betrachtung – alles auf eines hinaus: Gesunde Ernährung ist, was individuell bekommt. Und dies muss frei sein von hitziger Diskussion und verbohrter Argumentation.

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