Wäre Donald Trump der „erste“ Mann eines unbedeutenden Landes, würden wir seine – gelinde gesagt – höchst fragwürdigen Attitüden vielleicht kopfschüttelnd belächeln. Aber er ist nun mal Präsident der mit Abstand größten Volkswirtschaft der Welt. Wenn er nur mit den Fingern schnipst, springen seine Vasallen auf und setzen das um, was ihr oberster Herr sich in den Kopf gesetzt hat. Mit seinen zumeist kaum nachvollziehbaren Dekreten, die er unterzeichnet, ohne vorher Kongress und Senat zu informieren, stiftet er Unruhe rund um den Globus.
Anfang April war es mal wieder so weit. Trump hob eine Tafel vor die Kameras der internationalen Presse und verkündete lauthals, die USA würden nun pauschale Zölle von mindestens zehn Prozent auf Importe aus nahezu allen Ländern erheben. Nach dieser Verkündung bricht der Aktienmarkt massiv ein, die Europäische Union trifft sich zu Krisensitzungen. „Ich liebe Zölle“, hatte er bereits zuvor getönt.
Schon lange stört es den US-Präsidenten, dass Amerika aus anderen Ländern mehr kauft als andersherum. Aus der EU importieren die USA jährlich Waren im Wert von 600 Milliarden Dollar, exportiert werden aber nur Waren im Wert von 370 Milliarden. Daraus ergibt sich ein Handelsbilanzdefizit von knapp 230 Milliarden Dollar. Das will Trump durch die Erhebung von Zöllen ausgleichen. Natürlich: Zölle wirken auf den Warenverkehr. Der Präsident vergisst aber, dass die Leistungsbilanz zwischen Ländern auch durch Dienstleistungen geprägt wird. Derlei Faktoren gleichen die Unwucht im Warenverkehr zwar nicht aus, relativieren sie aber. So wurden wegen des Geschäfts amerikanischer Internetriesen 2023 über 110 Milliarden Euro mehr aus der EU nach Amerika überwiesen, als umgekehrt. Auch die Aktivitäten marktbeherrschender amerikanischer Investmentbanken schaufeln Jahr für Jahr Milliarden über den Atlantik in die Staaten.
Negative Auswirkungen auf die deutsche Lebensmittelindustrie
Wenn der US-Präsident die Zölle so stark erhöht wie angekündigt – auf vielleicht sogar 20 Prozent für Produkte aus der EU – hätte das auch erhebliche negative Auswirkungen auf die deutsche Lebensmittel- und Getränkeindustrie. Es gibt Berechnungen, dass deutsche Exporte von Lebensmitteln und Getränken in die USA um 23 Prozent einbrechen könnten. Insgesamt müsste die Branche mit Exportverlusten nach Amerika von rund einer halben Milliarde Euro rechnen. Deutschland brachte 2023 Produkte im Wert von 2,2 Milliarden Euro nach Amerika, 2024 waren es sogar rund 2,5 Milliarden. Das ist ein Mehr von knapp neun Prozent. Die USA sind derzeit nach dem europäischen Binnenmarkt das wichtigste Exportland für deutsche Lebensmittel und Getränke. Nach Analysen ernstzunehmender Ökonomen könnte der mögliche Exportrückgang in die USA durch verstärkte Ausfuhren in europäische Staaten sowie asiatische und südamerikanische Länder einigermaßen kompensiert werden. Doch ob das gelänge, steht in den Sternen.
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