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    Aus der fng-Ausgabe 3

    Was kommt nach Corona?

    Niemand weiß es, aber es gibt einige Szenarien –

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    Nichts kann mehr so sein wie es war, sagen Forscher, die ihren Blick in die Zukunft werfen und meinen, nach dem Ende der Corona-Pandemie wird sich unsere Welt grundlegend ändern. Das bezieht sich auf die komplette Wirtschaft, die Kultur, den Tourismus, das Arbeitsleben und die Privatsphäre.

    Und tatsächlich: Schon jetzt – inmitten der Krise – spüren wir, dass wir wie selbstverständlich mit den neuen Normen des Alltags umgehen. Wir schütteln uns nicht mehr die Hände, tragen die Schutzmasken, halten Abstand untereinander und weichen aus, wenn uns jemand zu nahe kommt. Wir kommunizieren nicht mehr am Kneipentisch oder in den Wohnungen miteinander, sondern immer häufiger digital. WhatsApp wird zunehmend zum Segen für die Verständigung. Wir befolgen überwiegend unkritisch die Anordnungen der Kommunen, der Länder und des Bundes. Also: Was kommt danach, wenn Convid-19 weitestgehend besiegt ist?

    Die Verbraucher haben darauf schon heute eine Antwort. Sie möchten laut einer Umfrage der Unternehmensberatung McKinsey ihr Verhalten im Alltag ändern. Sie wollen weniger ins Kino gehen und Konzerte besuchen, seltener reisen und öffentliche Verkehrsmittel wie Straßenahnen und Busse, Züge und Flugzeuge meiden. Stattdessen wollen sie mehr zu Fuß gehen, sich aufs Fahrrad setzen oder das eigene Auto nutzen. Die Angst vor zu engen Kontakten mit den Mitmenschen geht um. Außerdem wollen viele künftig weniger Geld für Luxusprodukte und überflüssige Einkäufe ausgeben, zudem beim Einkauf stärker auf den Preis achten. Die Krise schürt Demut und Angst vor negativen wirtschaftlichen Folgen für sich selbst oder die eigene Familie.

    Die Gesellschaft könnte sich wieder klar als Nation definieren

    Spannende Szenarien für eine Zeit irgendwann nach Corona haben die Forscher des Zukunftsinstituts in Frankfurt am Main entworfen. Danach wird sich in einem der Bilder die Gesellschaft wieder ganz klar als Nation definieren. Denn Sicherheit für die Bevölkerung kann nur gewährleistet werden, wenn die Grenzen deutlich abgesteckt werden. Jeder Mensch ist sich selbst der nächste, und der Staat setzt alle verfügbaren Mittel ein, um die Bürger zu schützen. Wer kann, zieht raus aus der Stadt, versorgt sich selbst mit Lebensmitteln und verdient gutes Geld, um verarmten Städtern Obst und Gemüse zu verkaufen.

    Die Sehnsucht nach Keimfreiheit stärkt kontinuierlich das Misstrauen gegenüber Produkten, deren Herkunft nicht klar nachverfolgbar ist. Produkte werden vor dem Verzehr klinisch desinfiziert. Aufgrund von Importbeschränkungen gibt es weniger exotische Früchte. Aber vieles kann mittlerweile wegen des Klimawandels auch hier bei uns angebaut werden. Landwirtschaft und produzierendes Gewerbe erleben einen kolossalen Aufschwung.

    Ein anderes Szenario beschreibt, wie sich nach der Pandemie die globalisierte Gesellschaft wieder zurück zu lokalen Strukturen entwickelt. Es wird mehr Wert denn je auf regionale Erzeugnisse gelegt. Die Angst vor Ansteckung hat einen Rückzug ins Private und die Wiederentdeckung der Häuslichkeit befeuert. Großveranstaltungen sind verpönt. Das öffentliche kulturelle Leben ist fast komplett zum Erliegen gekommen. An Versammlungen nehmen allenfalls noch zehn Personen teil. Nachbarschaftshilfe wird großgeschrieben. Es existieren feste Strukturen, wie sich im Krisenfall untereinander geholfen werden kann. Vorräte werden geteilt oder getauscht. Auf die Alten und Schwachen wird besondere Rücksicht genommen.

    Der Ausfall globaler Handelsketten und das Misstrauen gegenüber bestimmten Herkunftsländern führen zu einer fundamentalen Regionalisierung. Menschen kaufen mehr denn je lokal. Traditionelle Handwerkstechniker erleben eine Renaissance. Genossenschaften lösen kapitalistische Konsummuster ab. Die Wirtschaft funktioniert im Regionalen vollkommen autark.

    Die Coronakrise hat sich als überraschender Treiber von neuen Arbeitstrends entwickelt. Dadurch, dass Flexibilität am Arbeitsplatz aus der Not heraus breitflächig ermöglicht wurde, haben sich Arbeitskulturen dauerhaft verändert. Home Office ist nun selbstverständlicher Bestandteil der Personalpolitik jedes Unternehmens. Internationale Konzerne verzichten auf Geschäftsreisen und vereinbaren Video-Konferenzen.

    Wiederum ein weiteres Szenario beschreibt, wie die Weltgesellschaft aus der Krise gelernt hat. Das Coronavirus hat eine Selbstreinigung der Märkte angestoßen. Der Ausfall globaler Produktions- und Handelsketten hat zu einer Wiederentdeckung heimischer Alternativen geführt. Der stationäre Handel, regionale Produkte und Lieferketten haben einen Aufschwung erlebt. So ist nicht nur eine sinnvolle Balance zwischen online und offline entstanden, sondern vor allem ein kluger Umgang mit globalisierten Handelsketten, ein Gleichgewicht von lokalem und globalem Handel. Es gibt eine Blütezeit der Direct-Trade-Plattformen. Wochenmärkte boomen, ebenfalls regionale Erzeuger und lokale Online-Shops. Die Gesellschaft bewegt sich weg von Massenkonsum und Wegwerf-Mentalität und hin zu einem gesünderen Wirtschaftssystem.

    Die Weltgesellschaft lernt aus der Krise. Globale Risiken erfordern überstaatliche Akteure, die global vernetzt agieren können. Während Nationalstaaten an Bedeutung verlieren, werden Städte und allumfassende Instanzen immer wichtiger. Die lokale Ebene verknüpft sich direkt mit globalen Organisationen. So können regionale Probleme schnell und kreativ gelöst und auch weltumfassende Risiken schneller erkannt und kooperativ angegangen werden.

    Künstliche Intelligenz wird konstruktiver eingesetzt

    Insgesamt nimmt sich die Menschheit seit der Pandemie stärker als globale Gemeinschaft wahr, die Herausforderungen zusammen lösen muss. Denn weder eine Epidemie noch die Klimakrise macht vor Nationalgrenzen halt. Die Zeit nach der Coronakrise bringt konkrete Frühwarnsysteme hervor. Künstliche Intelligenz wird nun konstruktiver eingesetzt, und zwar nicht nur, um frühzeitig Epidemien einzudämmen, sondern auch zur Minimierung aller möglichen Risiken, die sich nicht um Landesgrenzen scheren.

    Dieser neue Geist prägt auch die Medienlandschaft. Konstruktiver Journalismus stellt Lösungsansätze in den Fokus, statt Alarmismus und Fake News zu verbreiten und trägt zu einer gut informierten Gesellschaft bei, die weiß, wie sie produktiv mit Krisen umgehen kann.

    Dies sind einige Auszüge aus den Szenarien des Zukunftsinstituts. Wie es wirklich weitergeht nach diesem Überfall des Virus auf die Menschheit, weiß natürlich niemand genau. Im Lebensmittelbereich ist vielleicht die schwindende Berufsgruppe der Kleinbauern mit ihrem Direktverkauf auf Märkten und in Hofläden der Gewinner. Sie erzielt möglicherweise neue Anziehungskraft und wird mit ihren Erzeugnissen stärker in städtischen Supermärkten gelistet. Auch regionale Erzeuger von Fleisch, Geflügel und Eiern werden die Krise besser überwinden sowie all die Hersteller, die mit großer Verantwortung und für die Konsumenten sichtbar auf den Verpackungen ihre Produkte herstellen.

    Eines hat der Verlauf von Convid-19 bis heute unwidersprechlich deutlich gemacht: Staaten mit gut strukturierten Gesundheits-  und Krankenversicherungssystemen kommen besser durch die Krise als Nationen, in denen diese Sozialbereiche stark vernachlässigt werden. Geradezu erschütternde Beispiele dafür sind Russland, Großbritannien und die USA.

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