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    Vitalstoffe

    Das Magazin für Mikronährstoffe und deren Wirkungen

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    Aktuelle Ausgabe
    Aktuelle Studien

    Verbesserte Zink- und Eisenkonzentration in der Muttermilch

    Unsere Studienredaktion unter der Leitung von Dr. Stefan Siebrecht, Carola Weise und Laura Ingenlath wertet für jede Ausgabe der Vitalstoffe aktuelle Studien zur Präsentation aus.

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    Nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist das Stillen die beste Ernährungsmethode für Neugeborene und Säuglinge. Die Organisation empfiehlt es mindestens bis zum Alter von sechs Monaten, wenn möglich auch darüber hinaus. Gestillte Säuglinge sind nachweislich besser vor vielen Krankheiten geschützt als mit Flaschennahrung gefütterte Säuglinge – dazu zählen entzündliche Darmerkrankungen, Atemwegserkrankungen wie Asthma, Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, verschiedene kardiovaskuläre Erkrankungen (Bluthochdruck, Arteriosklerose), Fettleibigkeit und Hauterkrankungen. Obwohl die Konzentration an Spurenelementen in HM relativ gering ist, spielen sie bei vielen physiologischen Vorgängen eine wesentliche Rolle und werden für optimale Entwicklung und Wachstum benötigt.

    Die Spurenelemente Zink und Eisen finden sich dabei im Fokus einer Studie, die von unterschiedlichen Fakultäten der Medizinischen Universität in Warschau, Polen, initiiert wurde. Die Wissenschaftler wollten ermitteln, inwieweit eine Zink- und Eisen-reiche Ernährung der Stillenden die Konzentration in der Muttermilch steigern kann – zum Wohle der Entwicklung des Säuglings. Die Analyse war die erste, die die Konzentrationen von Eisen und Zink in der menschlichen Milch in Korrelation mit mütterlichen Faktoren wie Alter, Ernährung und Ernährungszustand untersucht, die Ergebnisse wurden im Magazin Nutrients veröffentlicht.

    Die Verzehrshäufigkeit von Fleisch, Gemüse und Hülsenfrüchten erwies sich dabei als signifikanter Einflussfaktor für die Zinkkonzentration, während für den Eisengehalt vor allem Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen den Ausschlag gaben.

    Den Mangelerscheinungen auf der Spur

    Sowohl Eisen als auch Zink sind essentielle Faktoren bei vielen physiologischen Prozessen. Die Ergebnisse gewinnen vor allem deshalb an Bedeutung, weil insbesondere in Entwicklungsländern ein Mangel an den lebenswichtigen Spurenelementen während der Schwangerschaft und im Säuglingsalter weit verbreitet ist.

    Eisen ist Teil des Hämoglobins und ein struktureller Bestandteil einer Vielzahl von Enzymen, die für eine Reihe von menschlichen Stoffwechselprozessen entscheidend sind. Säuglinge sind aufgrund des schnellen Wachstums und der Gehirnentwicklung besonders anfällig für die Folgen eines Eisenmangels.

    Zink spielt eine katalytische Rolle in jeder der sechs Enzymklassen und ist maßgeblich beteiligt bei der Regulation der Genexpression, der Signaltransduktion und der neuronalen Übertragung. Bei Säuglingen führt Zinkmangel zu gehemmtem Wachstum und beeinträchtigter Immunfunktion, außerdem zu erhöhter Sterblichkeit durch Atemwegsinfektionen und Durchfall. Ca. 4,4% der Todesfälle bei Kindern von sechs Monaten bis fünf Jahren gehen nach Berichten auf das Konto eines ausgeprägten Zinkmangels.

    Während der Einfluss von mütterlichen Faktoren auf die Qualität und Quantität der produzierten Muttermilch gut erforscht ist, fehlen bisher zuverlässige Resultate die mütterliche Ernährung betreffend. Daher wurden in dieser Pilotstudie zum ersten Mal die Auswirkungen der mütterlichen Ernährung im Hinblick auf die Eisen- und Zinkkonzentrationen näher untersucht.

    Details der Studie

    32 gesunde, ausschließlich stillende Mütter stellten zwischen 4 und 6 Wochen nach der Geburt Milchproben zur Verfügung. Ihre Ernährung wurde unter zwei Aspekten bewertet: der gewohnheitsmäßige und der aktuelle Konsum. Um die aktuelle Aufnahme beurteilen zu können, fertigten die Teilnehmerinnen drei Tage lang Ernährungsprotokolle an, bevor die Milchproben entnommen wurden. Die Verzehrshäufigkeit ausgewählter Lebensmittel wurde mit Hilfe von Fragebögen in den drei Monaten vor Beginn der Studie ermittelt. Der Ernährungszustand wurde anhand des BMI und der Analyse der Körperzusammensetzung bewertet.

    Einen Tag vor der Analyse der Körperzusammensetzung und am dritten Tag der dreitägigen Ernährungsaufzeichnungen wurden Milchproben gesammelt. Die Forscher berechneten die tägliche Milchaufnahme durch Wiegen der Säuglinge, und die Eisen- und Zinkkonzentrationen in der Milch wurden mit einem induktiv gekoppelten Plasma-Massenspektrometer bestimmt.

    Analyse von Variablen

    Die Forscher führten eine multivariable Regressionsanalyse durch und berichteten, dass die mütterliche Gesamtzinkund Eisenaufnahme (Ernährung + Supplementierung) die Konzentrationen in der Muttermilch positiv beeinflusste. Unterschiedliche Variable wirkten sich auf die Eisenkonzentration in der Milch und auf die Eisenaufnahme der Babys aus. Hierzu merkten die Wissenschaftler an: „Die Verzehrshäufigkeit von eisenreichen Lebensmitteln (Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Gemüse und Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen) und die mütterliche Gesamteisenzufuhr (Ernährung + Supplementierung) wurden als signifikante Faktoren identifiziert, die die Eisenkonzentration in der Muttermilch und die Eisenaufnahme der Säuglinge beeinflussen.“

    Die Forscher führten eine ähnliche Modellierung zur Zink-Konzentration durch und fanden heraus, dass die Verzehrshäufigkeit von Fleisch, Gemüse und Hülsenfrüchten und die Gesamtzinkaufnahme die Zink-Konzentration in der menschlichen Milch fördern kann. Obwohl in der Regel eine Eisensupplementierung die Absorption anderer Mikronährstoffe, einschließlich Zink, hemmen kann, schien sie sich in dieser Studie auf den Zink-Gehalt in der Milch nicht zu negativ auszuwirken.

    „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die mütterliche Ernährung den Eisen- und Zinkgehalt in der Muttermilch beeinflusst, was darauf hindeutet, dass eine ausreichende Aufnahme von Nahrungsmitteln, die reich an den untersuchten Mineralien sind, ein positiver Faktor für deren Konzentrationen in der Muttermilch sein kann“, fassen die Wissenschaftler ihre Studien-Resultate zusammen. Sie befürworten bei Bedarf auch die Supplementierung, da sie die Eisen- und Zink-Konzentration in der Muttermilch zusätzlich optimieren kann.

    Da die Studie nur mit einer kleinen Stichprobengröße durchgeführt wurde, empfehlen die Forscher weitere Studien in größerem Maßstab, um kritische Ernährungsfaktoren zu untersuchen, die mit der Eisen- und Zinkkonzentration in Zusammenhang stehen.

    Quelle:  VITALSTOFFE 2/2021

     

     

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