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    Vitalstoffe

    Das Magazin für Mikronährstoffe und deren Wirkungen

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    Magnesiummangel

    – ein treibender Faktor für Insulinresistenz, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen

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    Magnesium bildet den vierthäufigsten Mineralstoff im Körper des Menschen. Nach Kalium ist Magnesium das häufigste Kation in unseren Zellen. Ausreichend hohe Magnesiumkonzentrationen sind erforderlich, damit das blutdrucksenkende Hormon Insulin an seinem Rezeptor wirken kann. Magnesium beeinflusst den Gefäßtonus und die Ausschüttung von Stresshormonen wie dem Noradrenalin. Eine unzureichende Magnesiumversorgung erhöht deshalb das Risiko für Insulinresistenz, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Magnesium kommt hauptsächlich in pflanzlichen Lebensmitteln vor. Aufgrund ihrer geringeren Kaloriendichte war in der Nahrung unser Vorfahren, vor Beginn des Ackerbaus, wesentlich mehr Magnesium enthalten. Neben einer unausgewogenen Ernährung kann ein Magnesiummangel durch bestimmte Erkrankungen und durch die Einnahme verschiedener Medikamente begünstigt werden.

    Der Körper eines Erwachsenen enthält etwa 24 g Magnesium. Im Blutplasma ist das Magnesium zu etwa 40% an Proteine gebunden; der normale Serumspiegel beträgt 1,8 – 2,6 mg/dl. Der Großteil des Magnesiums findet sich in unseren Knochen, die es speichern und bei verminderter Aufnahme freisetzen können. Ein normaler Magnesium-Blutspiegel schließt einen Magnesiummangel deshalb nicht aus. Magnesium ist an mehr als 600 Enzymreaktionen als Enzymbestandteil oder Coenzym beteiligt. Freie Magnesiumionen beeinflussen das Potential an den Zellmembranen und fungieren als Second Messenger im Immunsystem. Sie stabilisieren das Ruhepotential von erregbaren Muskel- und Nervenzellen und den Zellen des autonomen Nervensystems. Magnesium ist zudem ein essenzieller Co-Faktor des Enzyms ATP-Synthase, das in den Mitochondrien, den „Kraftwerken unserer Zellen“, das Adenosindiphosphat (ADP) zu Adenosintriphosphat (ATP) regeneriert, das den universellen Energieträger unseres Stoffwechsels bildet. Als Magnesium-ATP-Komplex ist Magnesium an fast allen energieaufwändigen Prozessen beteiligt.

    Aufgrund ihrer geringeren Energiedichte und ihres höheren Nährstoffgehalts wird davon ausgegangen, dass in der Nahrung unserer Vorfahren, vor Beginn des Ackerbaus, wesentlich mehr Magnesium enthalten war (Abb. 1). Aus den Daten der Nationalen Verzehrsstudie II wurde eine Magnesiumzufuhr bei Frauen von täglich 361 mg und bei Männern von täglich 432 mg berechnet. Dabei stellte sich heraus, dass etwa 29% der Frauen und 26% der Männer die empfohlenen Zufuhrmengen nicht erreichen. Es gibt jedoch auch Untersuchungen, die eine tägliche Magnesiumaufnahme von lediglich etwa 200 mg bei Frauen und 250 mg bei Männern in Deutschland aufzeigen (2).

    Ein besonderes Risiko eines Magnesium-Mangels besteht bei Diabetikern. Bei überhöhten Blutzuckerspiegeln wird vermehrt Glucose über die Nieren ausgeschieden. In der Folge kommt es zu einer verstärkten Diurese und einem Verlust von Magnesium mit dem Harn. Auch bei entzündlichen Darmerkrankungen können Durchfälle zu erheblichen Magnesiumverlusten führen. Daneben interferieren verschiedene Medikamente mit dem Magnesium-Stoffwechsel. Die Therapie mit Diuretika fördert die Magnesium-Ausscheidung über die Nieren. Auf der anderen Seite führt die Einnahme von Protonenpumpenhemmern zu einer verminderten Resorption von Magnesium aus der Nahrung und kann über längere Zeit eine gefährliche Hypomagnesiämie hervorrufen (3).

    Magnesiummangel begünstigt Insulinresistenz und Diabetes mellitus Typ 2

    Diabetes mellitus geht häufig mit einem unzureichenden Magnesium-Status einher. So konnte eine Untersuchung der Universitätsklinik Zürich bei 37,6% von 109 teilnehmenden Typ-2-Diabetikern eine deutliche Magnesium-Unterversorgung herausstellen (4). Magnesium spielt jedoch eine entscheidende Rolle für die Wirkung des Insulins an seinem Rezeptor (Abb. 2). Die Bedeutung einer Magnesium-reichen Ernährung konnte in einer Übersichtsarbeit aufgezeigt werden, die die Daten von mehr als 600.000 Studienteilnehmern auswertete. Dabei war eine höhere Magnesium-Zufuhr mit einem um 17% niedrigeren Risiko assoziiert, an Diabetes mellitus Typ 2 zu erkranken (5). Bei bereits bestehender Erkrankung kann eine Magnesium-Supplementation den Blutzuckerspiegel in günstiger Weise beeinflussen (6).

    Magnesiummangel begünstigt Bluthochdruck

    In Deutschland leiden mehr als die Hälfte der über 60-Jährigen an einem erhöhten Blutdruck. Die Hypertonie steigert das Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle. Bei der Behandlung des erhöhten Blutdrucks werden oft harntreibende Diuretika eingesetzt. Sie entziehen dem Körper Wasser und senken auf diese Weise den Druck in den Gefäßen. Mit dem Wasser gehen jedoch ebenfalls essentielle Mineralstoffe, insbesondere Magnesium, verloren. Eine unzureichende Magnesiumversorgung kann jedoch ein Ionen-Ungleichgewicht mit negativen Effekten auf die natürliche Blutdruckregulation zur Folge haben. Ein Calciumüberschuss in den Zellen der glatten Muskulatur der Blutgefäße führt über deren Kontraktion zu einer Erhöhung des Blutdrucks. Da Magnesium einen natürlichen Calcium-Antagonisten bildet, kann ein Magnesiummangel über diesen Mechanismus zu einer Erhöhung des Blutdrucks beitragen. Dagegen unterstützt ein guter Magnesiumstatus die Funktion von Ionenpumpen, wodurch vermehrt Kalium-Ionen in die Zelle gelangen und Calcium aus dem Zytoplasma entfernt werden kann (Abb. 3). Magnesium hat deshalb eine gefäßerweiternde und blutdrucksenkende Wirkung.

    Calcium steuert ebenfalls die Freisetzung von Noradrenalin, das die Herzfrequenz steigert und den Blutdruck erhöht. Über eine Calcium-modulierende Wirkung kann Magnesium zur Normalisierung der Herzfrequenz und des Blutdrucks beitragen (Abb. 4). Die Blutdruck-normalisierende Wirkung einer Magnesium-Supplementation konnte in einer Meta-Analyse bestätigt werden, die die Daten von insgesamt 1.173 entweder normotensiven oder hypertensiven Studienteilnehmern auswertete. Über einen mittleren Studienzeitraum von etwa elf Monaten konnte dabei eine signifikante Blutdrucksenkung aufgezeigt werden. Bei höheren Magnesiumdosen wurde eine stärkere Wirkung beobachtet (7). Zusammen mit den Ergebnissen einer weiteren Übersichtsarbeit (8) weist dies auf eine blutdrucksenkende Wirkung bei Bluthochdruck, nicht jedoch bei normalem Blutdruck hin.

    Magnesiummangel begünstigt Herz-KreislaufErkrankungen

    Mehrere große prospektive Kohortenstudien haben die Magnesiumaufnahme im Hinblick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen untersucht. In einer neueren Auswertung der Nurses’ Health Study, die die Daten von fast 90.000 Krankenschwestern über einen Zeitraum von 28 Jahren untersuchte, hatten diejenigen Teilnehmerinnen mit der höchsten Magnesiumaufnahme (>342 mg/Tag) ein um 39% geringeres Risiko, einen tödlichen Myokardinfarkt zu erleiden, im Vergleich zu denjenigen Teilnehmerinnen mit der niedrigsten Magnesiumaufnahme (<246 mg/Tag) (9).

    Eine höhere Magnesiumzufuhr war in zwei Übersichtsarbeiten mit jeweils mehr als 240.000 Studienteilnehmern mit einer Verringerung des Schlaganfallrisikos um 8 bis 11% verbunden (10, 11). Eine neuere Meta-Analyse, die die Daten von 15 Studien auswertete, fand ein ebenfalls um 11% geringeres Schlaganfallrisiko bei einer höheren, im Vergleich zu einer niedrigeren Magnesiumaufnahme (12).

    Schließlich konnte auch eine Meta-Analyse mit insgesamt über 500.000 Teilnehmern ein um 15% niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse wie Schlaganfall, nicht tödlichem Myokardinfarkt und koronarer Herzkrankheit, im Zusammenhang mit einer höheren Magnesiumaufnahme aufzeigen (13).

    Fazit

    Neben seiner wichtigen Rolle im Energiestoffwechsel ist Magnesium von großer Bedeutung für die Wirkung des blutzuckersenkenden Hormons Insulin. Ausreichende Magnesiumkonzentrationen sind eine Voraussetzung für die Fähigkeit des Körpers, den Blutdruck zu regulieren. Im Vergleich zu einer niedrigeren Magnesiumzufuhr kann eine höhere Zufuhr das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen in signifikanter Weise reduzieren. Verschiedene Autoren empfehlen deshalb, täglich 300 mg Magnesium zu supplementieren, zusätzlich zu den in der Nahrung enthaltenen Mengen (14). Verschiedene Magnesiumverbindungen unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer Bioverfügbarkeit. Demnach können organische Magnesiumverbindungen wie Citrat, Glycinat und Lactat deutlich schneller und besser aufgenommen werden, im Vergleich zu anorganischen Salzen wie Carbonat oder Oxid (15).

    Eine besonders interessante Magnesiumverbindung ist in diesem Zusammenhang Magnesiumtaurat, das etwa 8% organisch gebundenes Magnesium enthält. Magnesiumtaurat ist eine Quelle der Aminosulfonsäure Taurin. Als starkes Antioxidans kann Taurin Gewebe vor oxidativen Schäden schützen. Taurin wird im menschlichen Stoffwechsel synthetisiert. Da dies jedoch nur in begrenztem Umfang möglich ist, erscheint eine therapeutische Anwendung vielversprechend. Wie Magnesium scheint auch Taurin die Funktion von Calciumtransportierenden Enzymen zu verbessern. Daneben bildet Taurin einen nichtionischen Osmolyten, der die Homöostase anderer Ionen innerhalb der Zelle begünstigen kann. Taurin fördert die Membranbindung von Calcium. Bei den Zellen der glatten Muskulatur der Blutgefäße führt dies über eine verbesserte Regulation der Calcium-Konzentrationen zu einer gefäßerweiternden und blutdrucksenkenden Wirkung. Bei Dosierungen zwischen 1 und 6 g/Tag konnte dabei eine Senkung des systolischen Blutdrucks um bis zu 15 mmHg bzw. des diastolischen Blutdrucks um bis zu 7 mmHg aufgezeigt werden (16). Eine Arbeit mit 120 prehypertensiven Teilnehmern konnte bei einer Supplementation von täglich 1,6 g Taurin über sechs Wochen eine Senkung um bis zu 7,2 mmHg systolisch bzw. 4,7 mmHg diastolisch herausstellen (17). Als körpereigener Stoff zeichnet sich Taurin vor allem dadurch aus, dass bei der Anwendung keine Nebenwirkungen zu erwarten sind.

    Quelle: Vitalstoffe

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